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Ausschuss 2: Kultur und Medien (stellv. Mitglied)
22.04.2016
Besuch in der Gedenkstätte Sachsenhausen

Im Nordwesten Berlins, nicht weit hinter der Stadtgrenze, befindet sich seit dem Jahr 1993 die Gedenkstätte Sachsenhausen. Von den Nationalsozialisten als Konzentrationslager errichtet, diente das Gelände nach dem Krieg für fünf Jahre als Sowjetisches Speziallager. Zu DDR-Zeiten befand sich dort seit 1961 die „Nationale Mahn- und Gedenkstätte Sachsenhausen“. Für die heutige Gedenkstättenleitung stellt sich somit die Herausforderung, die unterschiedlichen historischen Schichten differenziert zu präsentieren.
Bei seinem Besuch wurde Philipp Lengsfeld vom Leiter der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten, Prof. Günter Morsch, empfangen und über das Gelände geführt. Prof. Morsch erläuterte hierbei das Konzept, an jedem Gebäude und jeder Anlage die unterschiedlichen Nutzungen darzustellen. Zugleich werden die historischen Ausstellungen dezentral präsentiert. Es gibt also nicht eine zentrale Ausstellung. Vielmehr wird jeder Ort auf dem Gelände gesondert mit Erläuterungen versehen, was die Erfahrung als authentischer Ort verstärkt ...
 

Unter den Nationalsozialisten wurde auf dem Gelände nach ersten Provisorien bald ein „Musterlager“ errichtet, das sich zur Schulungsstätte der KZ-Besatzungen entwickelte. Schließlich wurde hier auch die Verwaltungszentrale aller Konzentrationslager eingerichtet. Nachdem zehntausende Inhaftierte durch Hunger, Krankheit oder systematische Mordaktionen ums Leben gekommen waren, wurde das Lager Ende April 1945 durch sowjetische und polnische Soldaten befreit.
Ab August 1945 nutzte der sowjetische Geheimdienst NKWD das Gelände als Speziallager, in dem neben NS-Belasteten auch willkürlich Verhaftete gefangen gehalten wurden. 1950 geschlossen, wurde nach zwischenzeitlicher militärischer Nutzung im April 1961, also kurz vor dem Mauerbau, eine ausgedehnte Denkmalanlage errichtet, die einseitig auf die kommunistischen Opfer der Nationalsozialisten und die antifaschistische Grunderzählung der DDR abzielte. Zu diesem Zweck wurden auch zahlreiche Bauten abgerissen.
Ein Besuch der Gedenkstätte ist ebenso niederdrückend wie aufschlussreich und kann jedem Geschichtsinteressierten ans Herz gelegt werden. Nähere Informationen sind hier erhältlich.
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