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Delegationsreisen
05.11.2015
Delegationsreise nach Korea – Besuch in einem geteilten Land

Einführung

Korea – ein durch den Weltkrieg geteiltes Land
Korea ist als unmittelbare Folge des zweiten Weltkriegs ein geteiltes Land. Obwohl das koreanische Volk durch die japanische Besatzung zu der Gruppe Kriegsopfer gehörte, wurde die koreanische Halbinsel im Zuge der Aufteilung der Interessensphären geteilt. Im Norden installierte die Sowjetunion ein kommunistisches Regime unter Leitung von Kim Il Sung, einem kommunistischen Partisanenführer, während der Süden unter amerikanischen Einfluss kam. Als Trennungslinie wurde der 38. Breitengrad vereinbart.

Koreakrieg
Die koreanische Teilung wurde durch den Koreakrieg vertieft. Am 25. Juni 1950 überfällt der Norden unter Führung von Kim Il Sung unter Duldung der Sowjetunion und Chinas den Süden und erobert bis September fast das gesamte Land. Die USA erhalten von der UN das Mandat für die Führung einer Allianz unter UN-Flagge zur Zurückschlagung der Invasoren. Die UN-Truppen stoppen auf Betreiben der Militärführung aber nicht am 38. Breitengrad, sondern dringen fast bis zur chinesischen Nordgrenze vor (Oktober 1950). Daraufhin greifen die Chinesen mit, Freiwilligenverbänden’ in den Krieg ein. Die UN-Allianz wird wieder bis zum 38. Breitengrad zurückgedrängt. Der verlustreiche Krieg dauert noch fast zwei Jahre an und wird mit dem Waffenstillstand vom 27. Juli 1953 beendet. Die Teilung des Landes entlang des 38. Breitengrades wird bestätigt, nur die alte Hauptstadt Kaesong wechselt vom südlichen in den nördlichen Machtbereich.

Kommunistischer Norden
Im Norden, der Demokratischen Volksrepublik Korea, entwickelt sich eine sehr eigenartige kommunistische Diktatur, die versucht eine nationalistisch-dynastische Ideologie und Legitimation aufzubauen. Der von Kim Il Sung begründete Kimismus betont die Eigenständigkeit sowohl gegenüber der Sowjetunion als auch China (keine stationierten Truppen) und strebt über ein eigenes Atomprogramm den Status einer Atommacht an. Die Kimdynastie wird nach Kim Il Sung (gestorben 1994) und dessen Sohn Kim Jong Il (gestorben 2011) nunmehr vom Enkel Kim Jung Un (‚der junge Marschall’) geführt. Anfang der 1990er Jahre gibt es eine massive Hungerskatastrophe. Durch die Atompolitik ist Nordkorea weitgehend isoliert und mit starken Sanktionen belegt. Mit der Bundesrepublik Deutschland bestehen trotzdem seit 2001 diplomatische Beziehungen. Nordkorea ist mit etwas über 20 Millionen der bevölkerungsmäßig deutlich kleinere Teil von Korea, der aber flächenmäßig 20% größer als der Südteil ist.

Demokratischer Süden
In Südkorea herrschen nach Jahren der Militärdiktatur demokratische Verhältnisse. Das Land ist mit 50 Millionen deutlich bevölkerungsreicher als Nordkorea und hat in den letzten Jahrzehnten massiv an ökonomischer Bedeutung gewonnen. Seoul ist eine bedeutende Metropolenregion, Busan eine international wichtige Hafenstadt. Das moderne Korea hat aber neben dem ungelösten Teilungsproblem durchaus einige Herausforderung, z.B. eine massive Jugendarbeitslosigkeit ...


Delegationsreise Korea Teil I (Norden) - Eine kommunistischer Diktatur am Scheideweg

Der erste Teil der Delegationsreise der Vertreter der Deutsch-Koreanischen Parlamentariergruppe war der politisch deutlich schwierigere, aber auf Grund der speziellen Situation des Landes aber auch ein sehr interessanter Teil. Momentan haben nur wenige Menschen überhaupt die Gelegenheit, dieses sehr verschlossene Land kennenzulernen.

Zeichen der Hoffnung
Durch die verschiedenen Gespräche wurde sehr deutlich, dass der Staat an einem Scheideweg steht. Wie eigentlich überall in Asien gibt es große Potentiale für ökonomischen Fortschritt. Erste Erfolge von Schritten der Öffnung sind deutlich sichtbar: relativ starker Autoverkehr in der Hauptstadt, ein inner-DRVK-Mobilfunknetz, ordentliche Neubauviertel, deutliche modische Kleidung vor allem der Damen, Zoomodernisierung, um nur einige Beispiele zu nennen.

Militarismus und Atomprogramm
Auf der anderen Seite ist aber das System von Militarisierung, Misstrauen, Überwachung, Nichtinformation und Propaganda omnipräsent. Das Atomprogramm des Landes schadet der Bevölkerung direkt (falsche Investitionen) und indirekt (Sanktionen) massiv. Mangel und Ineffizienz durch Planwirtschaft ist überall zu sehen. Besonders auffällig ist die schlechte und unregelmäßige Energieversorgung – hier versucht sich die Bevölkerung durch Eigenversorgung mittels Solarpanelen etwas zu helfen. Die Menschenrechtssituation ist katastrophal (Arbeitslager für Abtrünnige) und das Regime finanziert sich u.a. durch den Verkauf von in geschlossenen Kommandos geführten Leih-Arbeitskräften nach Russland, China und in arabische Staaten.

Deutschlands Rolle
Deutschland sollte sicherlich den Kurs der vorsichtigen humanitären und wirtschaftlichen Hilfe und Kooperation weiterführen, um so die Kräfte der Öffnung zu unterstützen. Der Schlüssel zur Überwindung der Diktatur liegt aber bei den Chinesen. Und natürlich bei den Verantwortlichen in Partei und Armee, wo die Reformer die Chance haben, das Land auf den richtigen Weg zu führen.

 

Delegationsreise Korea Teil II (Süden) – Erfolgreiche asiatische Demokratie mit Herausforderungen
Der zweite Teil der Reise führte ins freie, demokratische Südkorea (Republik Korea, RK). Hier führte die Delegation zahlreiche Gespräche in der Hauptstadt Seoul und der imposanten Hafenstadt Busan. Nicht nur im Gegensatz zum Norden ist Südkorea ein beeindruckendes, sehr dynamisches Land. Seoul ist Metropolregion mit sehr starker internationaler Ausstrahlung. Die zweitgrößte Stadt Busan beeindruckt durch den bedeutenden Hafen und die wunderschöne Lage zwischen Bergen und Meer.

Verschiedene Herausforderungen und Probleme
In den vielfältigen Gesprächen im Süden ging es aber auch um aktuelle Herausforderungen in Korea. Die Jugendarbeitslosigkeit, vor allem verschuldet durch eine einseitige Akademisierung, die an den Bedürfnissen des Arbeitsmarkts vorbeigeht, ist ein riesiges Problem. Hier kann Deutschland mit seiner vorbildlichen beruflichen Ausbildung ganz sicherlich helfen. Auch die Demokratie in Südkorea muss immer wieder gestärkt und bestätigt werden, nicht nur auf Grund des großen, nicht-demokratischen Wirtschaftsriesen China, sondern auch wegen des japanischen Zögerns, sich seiner historischen Verantwortung in Korea (und China) wirklich zu stellen. Die Delegation beschäftigte sich auch mit einem kürzlich erfolgten Parteiverbot in Südkorea und erfuhr von dem erbitterten Streit um die Darstellung der Militärdiktatur in den Geschichtslehrbüchern (Präsidentin Park Guen-Hye ist Tochter des Generals und Präsidenten Park Chung-hee).

Das Thema Teilung beschäftigte die Delegation natürlich auch im Süden. Unter anderem besuchte sie eine Schule, die versucht aus dem Norden geflohene Jugendliche zu integrieren. Aus den bewegenden Darstellungen der Jugendlichen wurde sehr deutlich, dass dies kein leichter Weg ist.

 
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